Claus Suffel

Claus Suffel

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht

Wer wählt die Expositionsklasse des Betons aus?

OLG Hamm, Urteil vom 14.12.2017, Az. 24 U 179/16

Weder Tragwerksplaner noch Architekt hatten für eine Tiefgarage eine Expositionsklasse des Betons festgelegt, der das Bauwerk vor einer Chloridbelastung durch eingetragenes Tausalz schützt.
Zwar gibt der Architekt die Expositionsklasse nicht vor, ihn treffen jedoch Prüfungspflichten. Bei einer bekannten Nutzung als Tiefgarage muss er wissen, dass die Betonoberfläche vor dem eingetragenen Tausalz geschützt werden muss. Es muss deshalb eine darauf abgestimmte Expositionsklasse des Betons gewählt werden oder eine zusätzliche Beschichtung, z.B. Epoxidharz, aufgebracht werden.

Da der planende Architekt vertraglich verpflichtet ist, Vorkehrungen gegen eine Schädigung des Baukörpers durch Tausalz zu treffen, kann er sich nicht auf eine fehlerhafte Vorgabe des Statikers berufen, die sich der Bauherr zurechnen lassen muss.

Anmerkung:
Diese Entscheidung überzeugt, da mehrere technische Lösung zur Verfügung stehen, um der Tausalzbelastung gerecht zu werden. Die Entscheidung zwischen dem Beton mit besonderer Expositionsklasse und der Beschichtung liegt jedoch beim Architekten.


 

Der Hersteller des Transportbetons war nicht an dem Verfahren beteiligt, sodass sich das Gericht nicht mit der Frage beschäftigt hat, ob auch der Lieferant des Betons für die falsch gewählte Expositionsklasse haftet.

War dem Hersteller des Frischbetons bekannt, dass sein Baustoff in einer Tiefgarage verbaut wird, kommt ein Mangel des Betons in Betracht.

Nach § 434 Abs. 1 Nr. 1 BGB ist eine Sache, für die eine Beschaffenheit nicht vereinbart ist nur dann frei von Sachmängeln, wenn sie sich für die nach dem Vertrag vorausgesetzte Verwendung– also eine Tiefgarage – eignet.

Vor diesem Hintergrund ist dem Transportbetonhersteller dringend zu empfehlen, die vom Besteller gewünschte Expositionsklasse ausdrücklich zu vereinbaren.