Jens Groschopp

Jens Groschopp

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Arbeitsrecht

Mindestlohn bei Praktikanten

Seit dem 01.01.2015 gilt das Mindestlohngesetz (MiLoG), nach dem ein Mindestlohn von 8,50 Euro je Zeitstunde zu zahlen ist.

Gilt dies auch bei Praktikanten?

Praktikanten sind zwar keine Arbeitnehmer, das MiLoG gilt aber auch für sie. Hierdurch haben grundsätzlich auch Praktikanten einen Anspruch auf den Mindestlohn.

Wer gilt als Praktikant?

Über das MiLoG werden nur Praktikanten „i.S.d. § 26 Berufsbildungsgesetzes“ Arbeitnehmern gleichgestellt. Das MiLoG enthält aber auch eine Definition des Praktikantenbegriffs. Hiernach ist Praktikant, „unabhängig von der Bezeichnung des Rechtsverhältnisses, wer sich nach der tatsächlichen Ausgestaltung und Durchführung des Vertragsverhältnisses für eine begrenzte Dauer zum Erwerb praktischer Kenntnisse und Erfahrungen einer bestimmten betrieblichen Tätigkeit zur Vorbereitung auf eine berufliche Tätigkeit unterzieht, ohne dass es sich dabei um eine Berufsausbildung im Sinne des Berufsbildungsgesetzes oder um eine vergleichbare praktische Ausbildung handelt.“

Das MiLoG erfasst damit nur Praktika, bei denen der Ausbildungszweck  deutlich überwiegt. „Scheinpraktika“, die meist nur auf den Erwerb beruflicher Erfahrungen gerichtet sind, sind zwar keine Praktika, gelten aber als Arbeitsverhältnis und werden so vom Anwendungsbereich des MiLoG ersetzt.

Gibt es Ausnahmen vom Mindestlohn für Praktikanten?

Ja. Ausgenommen vom Mindestlohn sind ausdrücklich Pflichtpraktika, wie etwa Pflichtpraktika im Rahmen einer Hochschulausbildung (Praxissemester) oder die in einigen Zulassungsordnungen vorgeschriebenen Vorpraktika. Auch Schülerpraktika stellen eine Ausnahme dar. Vom Mindestlohn ausgenommen sind auch Orientierungspraktika und andere freiwillige ausbildungs- oder studienbegleitenden Praktika für eine Dauer von bis zu drei Monaten.

Abschließender Hinweis:

In den meisten Studiengängen sind Abschlussarbeiten zu fertigen, die häufig in Unternehmen geschrieben werden. Auch in solchen Vertragsverhältnissen kann ab dem vierten Monat Anspruch auf den Mindestlohn bestehen. Dies etwa dann, wenn der Studierende auch eine Arbeitsleistung erbringt  und den betrieblichen Arbeitsplatz nicht nur zur Erstellung der Abschlussarbeit nutzt und dem Unternehmen eine Verwertung seines Arbeitsergebnisses einräumt.